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  • AutorenbildHeinz Bück

Geheime Rose: Yeats Country am Ben Bulben

In und um Sligo führen stille Wege in poetische Welten


• Irland hat großartige Dichter. Einer der Größten ist William Butler Yeats. Er verbrachte glückliche Kindheitstage in und um Sligo. Zeit seines Lebens blieb er der geheimnisvoll stillen Region verbunden. Am Fuße Ben Bulbens wollte Yeats begraben werden. Stella Mews und Joe Cox von der Yeats Society zeigen ihren Gästen mit Hingabe die Plätze, die ihn und sein Werk inspirierten.


Yeats Country ist von hinreißender Schönheit. Geheimnisumwobene Orte liegen rings um den magischen Tafelberg Ben Bulben. In stillen Seen wohnen Feen, unter Haselnusssträuchern das kleine Volk. Ob er selbst an Feen glaube: „Nein“, antwortet Joe Cox, der ehrenwerte Vorsitzende der Yeats Society schmunzelnd, „aber ich habe ihnen sehr viel zu verdanken.“



Siggi hat hier noch rote Haare

Yeats-Expertin Stella Mews denkt da ähnlich. Sie kennt jede Stelle in Yeats Werk und viele in Yeats Country - und weiß sie mit seinen Gedichten in Einklang zu bringen. Sie rezitiert die Verse auswendig und freut sich, wenn wir sie ihr aus der deutschen Werkausgabe, die sie eigens mitgebracht hat, in unserer Muttersprache vorlesen.


Doch wohl kaum eine Übersetzung wird der Wortgewalt und Metrik des englischen Originals jemals gerecht werden können. Yeats Poesie ist sehr kunstvoll und hat die englische Sprache sehr bereichert.



Joe hat nachmittags einen Termin in Sligo und schickt uns mit Stella noch einmal über Land. Sie war Rektorin eines Gymnasiums und widmet sich seit ihrer Pensionierung ihrer großen Begeisterung, dem Werk von W.B., von Willy, wie sie ihn liebevoll nennt.

Sie kutschiert uns durch Sligo und nochmals hinaus bis Lough Gill: zum Hazelwood, zum Dooney Rock und zum Inishfree Island. Überall im Land liegen Stätten, die Yeats Werk inspirierten und ihn, wie auch uns Heutige, begeisterten.


Wir sehen die alten Abteien, in denen die Mönche der frühen Christianisierung ihr asketisches Leben führten. Wir sehen die Wasser und Wälder, in denen die geheimen Mächte der gälischen Naturreligion beheimatet sind. Und wir lauschen dem Wind im Schilfrohr, das aus jenen Tagen erzählt, als William und Bruder Jack hier ihre Kindheit verbrachten.


Yeats literarisches Werk ist voller Magie und Mystik. Es schöpft aus den keltischen Sagas und der Fabelwelt der mündlichen Erzähltradition Irlands. Es umfasst eine gefühlvolle Lyrik, eine geheimnisvolle Epik und sprachschöpferische, experimentierende Dramatik. 1923 erhielt er den Literaturnobelpreis.


Der große Dichter starb 1939 in Frankreich und konnte wegen des ausbrechenden II. Weltkrieges erst 1948 umgebettet und in Drumcliffe beigesetzt werden, mit einem großen Staatsbegräbnis. Nun ruht er auf dem Kirchhof von St. Columba's Parish Church. Es war sein letzter Wille, am Fuße Ben Bulbens begraben zu werden, der einst wie jetzt im Licht der späten Abendsonne erstrahlt.


Wer nicht wie wir das Glück hat, eine so begeisterte, literarische Reiseführerin wie Stella Mews zu finden, kann auf eigene Initiative den Spuren von W.B. Yeats folgen. Die Tourismus Offices und die William Butler Yeats Society haben wunderschöne Touren ausgearbeitet. Schilder mit dem Federkiel weisen selbst geführte Routen durch Yeats Country, The Secret Rose.

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